Labourd · Iparralde

Bayonne

Baiona

Als historische Hauptstadt des Labourd vereint Bayonne eine gotische Kathedrale, Fachwerkfassaden, eine über vier Jahrhunderte alte Schokoladentradition und Schinken mit geschützter geografischer Angabe. Jeden Sommer fünf Festtage in Weiß und Rot. Eine Stadt mit rund 54.000 Einwohnern, die oft im Schatten des benachbarten Seebads steht.

Bayonne in 30 Sekunden

Rund 54.300 Einwohner (laut dem französischen Statistikamt INSEE, 2023). Am Zusammenfluss von Adour und Nive. Historische Hauptstadt des Labourd (Lapurdi), Unterpräfektur (sous-préfecture) des Départements Pyrénées-Atlantiques und seit 2011 als „Stadt der Kunst und Geschichte“ (Ville d’art et d’histoire) ausgezeichnet.

Nahe Biarritz und Anglet gelegen, erreichbar mit der Bahn (TGV und Verbindungen nach Spanien), über den Flughafen Biarritz (BIQ) und die Autobahn A63.

Ein wenig Geschichte

Im 4. Jahrhundert ist hier ein römisches Castrum, Lapurdum, belegt; im Grand Bayonne sind noch antike Türme zu sehen. 1023 wird die Stadt Hauptstadt des Labourd. Mit der Heirat Eleonores von Aquitanien und Heinrich Plantagenets fällt sie 1152 an England und bleibt unter englischer Herrschaft bis 1451, als die französische Krone sie am Ende des Hundertjährigen Kriegs einnimmt.

Im 16. Jahrhundert lassen sich sephardische Juden von der Iberischen Halbinsel im Viertel Saint-Esprit nieder. Sie bringen die Herstellung von Schokolade nach Bayonne; das Wort taucht 1670 in den Archiven der Stadt auf.

1680: Die Stadt schenkt Marschall Vauban, der Bayonne im 17. Jahrhundert befestigt, sechzehn Pfund Schokolade.

1725: Eine Verordnung verbietet Juden, in der Stadt Schokolade herzustellen und zu verkaufen; 1761 schließen sich die christlichen Chocolatiers zu einer Zunft zusammen, um sich den Handel vorzubehalten – 1767 wird sie vom Gerichtshof von Bordeaux (parlement de Bordeaux) aufgelöst.

6. Juli 1808: Die Verfassung von Bayonne (auch „Statut von Bayona“) wird verkündet; sie macht Joseph Bonaparte, den Bruder Napoleons, als Joseph I. zum König von Spanien.

1932: die ersten Fêtes de Bayonne, nach dem Vorbild von San Fermín in Pamplona (Iruñea). 2023 zogen sie mehr als 1,3 Millionen Menschen an.

Die drei Herzen von Bayonne

Grand Bayonne

Der mittelalterliche, gotische Teil. Enge Gassen: Rue d’Espagne, Rue Port-Neuf, Rue Argenterie. Kathedrale, Kreuzgang, Château-Vieux (die „Alte Burg“).

Petit Bayonne

Am anderen Ufer der Nive. Gemütlicher und feierfreudiger, mit belebten Bars an Sommerabenden. Das Château-Neuf (die „Neue Burg“), das Baskische Museum, das Musée Bonnat-Helleu.

Saint-Esprit

Rechtes Ufer des Adour, historisch das Viertel der portugiesisch-jüdischen Gemeinde. Das Bahnhofsviertel mit der Kirche Saint-Esprit (Heilig Geist) und der Synagoge.

Was Sie unbedingt sehen sollten

Die Kathedrale Sainte-Marie (St. Maria)

In den 1240er-Jahren begonnen, im Stil der Rayonnant-Gotik (gothique rayonnant). Ihre beiden 85 Meter hohen Turmspitzen wurden im 19. Jahrhundert vollendet. Ein Glasfenster von 1531 schmückt die Kapelle Saint-Jérôme. Der Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert zählt zu den größten Frankreichs und ist Schauplatz kultureller Veranstaltungen; er wird von der nationalen Denkmalbehörde (Centre des monuments nationaux) verwaltet, der Zutritt ist frei. Seit 1998 gehört die Kathedrale als Teil der „Wege der Jakobspilger in Frankreich“ zum UNESCO-Welterbe.

Die Stadtbefestigung

Die Befestigungsanlagen Vaubans (17. Jahrhundert) prägen das Stadtbild bis heute stark.

Das Baskische Museum

Das Musée Basque et de l’histoire de Bayonne (Museum für baskische Kultur und die Geschichte Bayonnes) liegt im Petit Bayonne. Trachten, Alltagsgegenstände, Musikinstrumente, Pelota, Hirtenwesen.

Das Musée Bonnat-Helleu

Kunstmuseum (Musée des Beaux-Arts), hervorgegangen aus der Sammlung, die der aus Bayonne stammende Maler Léon Bonnat der Stadt vermachte. Fast 7000 Werke von der Antike bis ins 20. Jahrhundert: Rubens, van Dyck, El Greco, Goya, Ingres, Degas … sowie eine grafische Sammlung mit mehr als 3500 Zeichnungen (Leonardo da Vinci, Michelangelo, Rembrandt). Am 27. November 2025 wiedereröffnet, nach vierzehn Jahren Bauarbeiten unter Leitung der Architekten Brochet, Lajus und Pueyo, die die Ausstellungsfläche durch die Einbeziehung einer ehemaligen Nachbarschule verdoppelt haben. Dienstags geschlossen.

Weitere Museen

Das Naturkundemuseum (Muséum d’histoire naturelle) und das Museum des Bayonner Judentums Suzanne et Marcel Suarès (musée du Judaïsme bayonnais) ergänzen das Angebot. Wer die Architektur der Stadt verstehen möchte, beginnt am besten im CIAP Lapurdum (Informationszentrum für Architektur und Kulturerbe, centre d’interprétation de l’architecture et du patrimoine).

Das Château-Vieux

Eine Burg, deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Die Halles de Bayonne

Die Markthalle am Ufer der Nive, mit baskischen Produkten und echter Marktatmosphäre. Samstagvormittags bauen etwa sechzig Erzeuger ihre Stände rund um die Halles auf, an beiden Ufern der Nive.

Weitere Märkte

  • Marché Sainte-Croix (Place des Gascons): mittwochs 8–13 Uhr, der größte Markt der Stadt (fast 120 Händler).
  • Marché du Marquisat und Marché de Polo Beyris: freitags 8–13 Uhr.
  • Fischmarkt der Allées Marines (Pêcherie): täglich außer sonntags, spätestens bis 13 Uhr, je nach Fang und Gezeiten.

Die Schokolade von Bayonne

Laut der Académie du chocolat de Bayonne zählte die Stadt 1854 nicht weniger als 32 Chocolatiers. Mehrere historische Häuser führen die Tradition fort, darunter Cazenave (1854), Daranatz (1890) und Pariès (1895).

Bayonner Schinken g. g. A.

Der Bayonner Schinken (jambon de Bayonne) trägt seit 1998 eine europäische g. g. A. (geschützte geografische Angabe, frz. IGP). Er wird mit trockenem Salz aus den Salinen des Adourbeckens gesalzen – dem Salz von Salies-de-Béarn –, und hergestellt wird er im Adourbecken (Pyrénées-Atlantiques und angrenzende Kantone der Départements Gers, Hautes-Pyrénées und Landes). Echte Schinken tragen das Siegel des Consortium du Jambon de Bayonne, ein auf der Schwarte angebrachtes Lauburu (baskisches Kreuz).

Schinkenmesse (Foire au jambon): jedes Frühjahr (traditionell um Ostern); 2026 vom 23. bis 26. April.

Die Fêtes de Bayonne

Fünf Tage, von Mittwoch bis Sonntag im Juli: 2026 vom 15. bis 19. Juli, 2027 vom 14. bis 18. Juli. Seit 2018 ist der Zutritt für Nicht-Einwohner kostenpflichtig (Armband). Weiße Kleidung, rotes Halstuch und rote Schärpe. Eröffnet wird das Fest mit dem Wurf der Schlüssel vom Balkon des Rathauses, im Beisein von König Léon (roi Léon), dem Maskottchen des Festes. Die Fêtes sind im französischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (Inventaire du patrimoine culturel immatériel) eingetragen.

Wie viele Besucher? Mehr als 1,3 Millionen im Jahr 2023. Buchen Sie Ihre Unterkunft sehr früh.

Auf dem Programm: Riesenfiguren, Stierkämpfe (ein umstrittenes Thema), baskische Pelota, Musik und Tanz, Korso, Feuerwerk und Toros de fuego (Feuerstiere), der Encierro ttiki für Kinder.

Anreise

  • Bahn: Bahnhof Bayonne, mit Verbindungen nach Paris und Spanien
  • Flugzeug: Flughafen Biarritz (BIQ)
  • Auto: Autobahn A63
  • Stadtbus: Netz Txik Txak

Der ideale Tag in Bayonne

  • Vormittag: Halles, dann Kathedrale und Kreuzgang
  • Mittag: Mittagessen im Petit Bayonne
  • Nachmittag: Baskisches Museum oder Musée Bonnat-Helleu, dann die Stadtbefestigung
  • Später Nachmittag: heiße Schokolade im Grand Bayonne
  • Abend: Aperitif an den Kais der Nive

Häufige Fragen

Bayonne oder Biarritz – welche Stadt besuchen?

Beide. Sie liegen nebeneinander und ergänzen sich. Biarritz = Seebad. Bayonne = Kultur, Kulinarik, Geschichte.

Kann man Bayonne an einem halben Tag besichtigen?

Ja, wenn Sie sich beeilen. Das Minimalprogramm: Halles, Kathedrale, Grand Bayonne (Schokolade), Baskisches Museum.

Kann man die Fêtes de Bayonne mit Kindern besuchen?

Ja, vor allem tagsüber (Riesenfiguren, Encierro ttiki). Abends wird es voller und alkohollastiger.

Wo finden Sie echten Bayonner Schinken?

Achten Sie auf den Vermerk IGP (g. g. A.) und das Siegel des Consortium du Jambon de Bayonne: ein auf der Schwarte angebrachtes Lauburu (baskisches Kreuz).

Aviron bayonnais

Der Mehrspartenverein wurde 1904 gegründet; seine 1906 geschaffene Rugbyabteilung spielt in Himmelblau und Weiß im Stade Jean-Dauger (14.370 Plätze). Sie wurde 1913, 1934 und 1943 französischer Meister, gewann 1936 und 1980 den Challenge Yves-du-Manoir sowie 2019 und 2022 die Pro D2; seit der Saison 2022/23 spielt sie in der Top 14. Die Rivalität mit dem Nachbarn Biarritz olympique hat lange Tradition. Bei Aviron bayonnais begann übrigens auch Didier Deschamps als Elfjähriger mit dem Fußballspielen.

Berühmte Persönlichkeiten mit Bezug zu Bayonne

  • Léon Bonnat (gest. 1922) – Maler und Porträtist, gebürtiger Bayonner, auf dem Friedhof Saint-Étienne beigesetzt. Seine Sammlung ist der Grundstock des Musée Bonnat-Helleu.
  • Didier Deschamps – in Bayonne geborener Fußballer, ausgebildet bei Aviron bayonnais; Kapitän der französischen Nationalmannschaft, die 1998 Weltmeister und 2000 Europameister wurde, ab 2012 Nationaltrainer der Bleus und 2018 Weltmeister. Im Januar 2025 hatte er angekündigt, nach der Weltmeisterschaft 2026 aufzuhören.
  • Roland Pétrissans – in Bayonne geborener Rugbyspieler, Flanker (dritte Reihe) und Kapitän von Aviron bayonnais, 1980 Sieger des Challenge Yves-du-Manoir und 1982 Finalist der französischen Meisterschaft; mit den Barbarians français spielte er in Bayonne gegen Neuseeland. Später unterrichtete er Sport am Collège Marracq.
  • René Cassin (1887–1976) – in Bayonne geborener Jurist, Friedensnobelpreisträger 1968, maßgeblich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) beteiligt.
  • Jean Duvergier de Hauranne (1581–1643) – Abt von Saint-Cyran, gebürtiger Bayonner, der den Jansenismus in Frankreich einführte.
  • Katia und Marielle Labèque (geboren 1950 und 1952 in Bayonne) – international renommiertes Klavierduo; ihre Aufnahme von Gershwins Rhapsody in Blue (1980) wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. 2007 gründeten sie ihr eigenes Label, KML Recording.
  • Michel Portal – in Bayonne geborener Musiker (Klarinette, Saxofon, Bandoneon), eine prägende Figur des Jazz und der zeitgenössischen Musik, dreimal mit dem César für die beste Musik ausgezeichnet (1983, 1985, 1988).
  • Jean Grenet – in Bayonne geboren und gestorben, Bürgermeister der Stadt von 1995 bis 2014, Abgeordneter der Nationalversammlung von 2002 bis 2012 und Präsident des Gemeindeverbands (agglomération) Côte Basque-Adour (2008–2014).
  • Bénédicte Delmas (geboren 1972 in Bayonne) – Schauspielerin, die Ärztin Laure Olivier in der Serie Sous le soleil (in Deutschland St. Tropez), später Regisseurin (Plus belle la vie, Section de recherches).
  • Sylvain Luc – in Bayonne geborener Jazzgitarrist.

Termine

Mein Lieblingsfoto

Die Kais der Nive bei Sonnenuntergang, wenn sich die Fachwerkfassaden im Wasser spiegeln.

Quellen

Ongi etorri Baionara – Willkommen in Bayonne.